Chemotherapie: Diagnose
Die jüngste Waffe gegen Malignome (Krebs) (siehe Kapitel Malignome): Das erste Chemotherapeutikum - eine chemische Substanz, die Krebszellen zerstört oder in ihrem Wachstum hemmt - wurde in den 1940er Jahren entwickelt. Seither kamen zahlreiche weitere wirksame Substanzen hinzu. Mittlerweile gibt es über 50 verschiedene zellteilungshemmende Medikamente (Zytostatika), zahlreiche weitere Substanzen werden derzeit klinisch erprobt.
Das Ziel einer Chemotherapie ist, auch diejenigen Krebszellen zu erreichen, die sich eventuell im Körper ausgebreitet haben. Die meisten Chemotherapeutika entfalten ihre Wirkung in der Steuerzentrale der Zelle, dem Zellkern. Sie schädigen dort das Erbmolekül. Infolgedessen stirbt die Zelle, oder sie ist nicht mehr fähig, sich zu teilen.
Die Wirkung der der Chemotherapeutika ist nicht allein auf Krebszellen beschränkt. Sie schädigen auch normale Körperzellen, die sich oft teilen, beispielsweise die Zellen der Schleimhäute, der Haarwurzeln oder des Knochenmarks. Daraus ergeben sich die häufigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie: Störungen im Verdauungstrakt, Haarausfall und veränderte Blutwerte. Zwischenzeitlich können viele unerwünschte Nebenwirkungen durch Medikamente oder andere Gegenmaßnahmen gelindert oder ganz verhindert werden. Ein Beispiel sind neuere Medikamente, die gegen Übelkeit und Erbrechen wirken.
Zytostatika(siehe Kapitel Zytostatika)
Definition
- Zytostatika bilden eine chemisch heterogene Gruppe pharmakologisch zytotoxischer Substanzen, die die Zellteilung funktionell aktiver Zellen durch unterschiedliche Beeinflussung ihres Stoffwechsels verhindern oder erheblich verzögern.
- Zytostatika können nur an proliferierenden, d.h. sich in einer Phase des Zellzyklus, nicht jedoch in der sog. G0-(Ruhe-)Phase befindlichen, Zellen wirksam werden.
- Die therapeutische Anwendung von Zytostatika in der Tumortherapie (Chemotherapie) basiert darauf, dass Tumorzellen sich von normalen Körperzellen u. a. durch eine der (physiologischen) Wachstumskontrolle entzogenen gesteigerten Zellteilungsrate unterscheiden.
- Die Unterschiede zwischen normalen Zellen und Tumorzellen reichen für einen selektiven tumorspezifischen Angriffspunkt jedoch nicht aus.
- Die Herausforderung für die Chemotherapie besteht in der kombinierten bzw. sequentiellen Anwendung von Zytostatika, insbesondere mit unterschiedlicher Effektivität in verschiedenen Phasen des Zellzyklus (Polychemotherapie), wodurch im Vergleich zur Monotherapie nicht nur bessere Ergebnisse zu erzielen sind, sondern auch durch entsprechende Dosierung UAW (unerwünschte Arzneimittelwirkungen, Nebenwirkungen) verringert werden können.
Nebenwirkungen bei Chemotherapie
Häufige Nebenwirkungen
- Übelkeit / Erbrechen
- Schleimhautentzündung
- Blutbildveränderungen
- Haarausfall
Weniger häufige Nebenwirkungen:
- Nervenstörungen
- Herzschäden
- Allergien
- Nieren-/ Blasenstörungen
Tumormarker
Definition
- Als Tumormarker bezeichnet man bestimmte nachweisbare oder messbare Substanzen, die beim gesunden erwachsenen Menschen nicht oder nur in sehr geringen Konzentrationen vorkommen, aber bei bestimmten malignen Erkrankungen vermehrt anzutreffen sind.
- Ihr Nachweis ist ein diagnostisches Hilfsmittel in der Tumordiagnostik bzw, Tumornachsorge.
Stellenwert der Tumormarker
- Die heute zur Verfügung stehenden Tumormarker eignen sich wegen ihrer mangelnden Sensitivität und unbefriedigenden Spezifität nicht zum Screening asymptomatischer Personen.
- Die Hauptindikation aller etablierten Tumormarker ist die Therapie- und Verlaufskontrolle nach Operation und adjuvanter Therapie.
- Allerdings sind Tumormarker mit kritischer Vorsicht zu verwenden, nachdem aus der Diagnose eines Frührezidivs häufig kein Vorteil in Hinblick auf die Gesamtprognose für den Patienten resultiert.
- Vor allem ist auf einen kontinuierlichen Verlauf bei mehreren Messungen in einem angemessenen Abstand (Beachtung der biologischen Halbwertszeit!) zu achten.
Anwendungsmöglichkeiten von Tumormarkern in der Verlaufskontrolle von Tumoren
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Karzinomursprung
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Tumormarker 1. Wahl
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Tumormarker 2. Wahl
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| Mamma | CA 15-3 | CEA |
| Kolorektal | CEA, CA 19-9 | |
| Pankreas | CA 19-9 | |
| Gallenwege | CA 19-9 | |
| Magen | CA 72-4, CEA, CA 19-9 | |
| Bronchus: - - Plattenepithel - - kleinzellig |
SCC NSE |
CYFRA 21-1 CEA |
| Adenokarzinom | CEA | CYFRA 21-1 |
| andere Kopf- und Halsmalignome: - - SD-CA diff./papillär - - SD-CA/C-Zell - - Plattenepithel |
SCC TG SCC |
CEA CEA CYFRA 21-1 |
| Leber: - - hepatozell. - - cholangiozell. |
AFP CA 19-9 |
CEA |
| Cervix uteri | CEA | CA 125, CEA |
| Endometrium | TPA | CA 125 |
| Ovar: - - epithelial - - embryonal |
CA 125 AFP |
CA 72-4 |
| Chorion | ß-HCG | |
| Hoden | AFP, ß-HCG | PLAP, LDH |
| Prostata | PSA |
Tumormarker sind nicht immer reine Peptide, es handelt sich z.B. um
- Blutgruppensubstanz-Derivate (CA 19-9)
- Hormone (HCG)
- Enzyme (PAP, PSA, NSE)
- karzinofetale Antigene (AFP, CEA)
- hybridomdefinierte Antigene (CA 125, CA 15-3)
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Entzündlicher Rückenschmerz: Morbus Bechterew
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EHA-Kongress: Bendamustin im klinischen Alltag
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